Ein selig Entschlummernder an meiner Seite. Noch ist das Laken feucht von gemeinsamem Schweiß und anderen Liquiden.

Pheromone in der Luft, nasse Körper, pulsierende Haut. Er sinkt dahin, in jene Zwischenwelt, die sich uns öffnet, wenn der Taumel der Lust uns wieder loslässt, halb wach, halb erschossen.

Gerade noch hat er mich gepackt, mit beiden Pranken. Sich an meine offenen Schenkel gepresst, meine Lippen geteilt mit seinem Schwanz, sich in mein Rosa gebohrt, wieder und wieder, halb wahnsinnig vor Erregung. Fast erschrocken von der Intensität seines Blickes wurde ich Zeugin jenes Momentes, als seine Zeit schließlich stillstand und die Sekunde der Ewigkeit sich grell in sein Bewusstsein ergoss.

Doch gleich werde ich ihn verlassen. Leise meine Sachen packen, die im Zimmer verstreut herumliegen. Ein Kuvert liegt am Nachttisch, seit ich das Zimmer betreten habe. Er hat es mir bereitgelegt, diskret, aber gut sichtbar. Ich werde es an mich nehmen ohne zu zählen. Das tu ich nie. Erst irgendwann zuhause. Es hat noch nie nicht gestimmt. Das wäre ja auch völlig widersinnig, denn sonst könnte er mich ja nie wiedersehen, und das weiß er.

Ich habe alles, husche nochmal lautlos ins Bad um mein völlig verwischtes Augenmakeup wenigstens soweit zu korrigieren, dass niemand vor mir erschrickt. Aber es wird mir später zum Glück niemand mehr begegnen, weder auf dem Flur, noch auf dem Weg zum Parkplatz. Ich hauche dem Schlummernden einen Abschiedskuss auf die Wange, er blinzelt selig, murmelt ein „bis bald!“, und so lasse ich den Glücklichen hinter mir.

Wieder allein auf dem Hotelflur, wenn die Begegnung nachhallt, teppichgebremst und zufrieden dahinschwebend im Rhythmus der an mir vorbeiziehenden Türen, mich langsam zurückverwandelnd in mein anderes Ich – das ist die Nachspann zu jeder Verzauberung. Funken der Erinnerung holen mich heißglühend ein, Gesprächsfetzen klingen nach. Gut, dass ich immer eine Stunde Fahrzeit habe. Ich brauche diese Zeit, ganz für mich, in der sicheren Biosphäre meines Autos. Durch die dunklen Straßen gleitend, fühle ich mich unsichtbar wie ein Nachtgeist, der soeben jemanden heimgesucht hat, um ihm Gutes zu tun, nur um schon wieder fort zu sein – un/fass/bar. Die Fahrt ist wie eine Meditation über das Geschehene, Zurückliegende, und gehört für mich dazu zu diesem Gesamterlebnis „Escortdate“.

Ich mag die Menschen, ich mag diese Begegnungen. Ich mag die Leichtigkeit, die Dreistigkeit, das Frivole, die Vorfreude. Ich liebe diese großartige Gelassenheit, die Escort atmet. Ich mag es, nicht gehalten werden zu können, und ich mag es, doch immer gehalten zu sein.

Und doch frage ich mich manchmal, bevorzugt auf nächtlichen Autofahrten, wie lange ich das wohl noch tun werde. Wie lange bin ich noch Nomadin, rastlos umherziehend, Glücksbringerin, Succubus, die den Menschen zuweilen unaussprechliche Wünsche zu erfüllen vermag? Ich stelle es mir so vor, dass plötzlich klar sein wird, dass es nicht mehr passt, sich nicht mehr stimmig anfühlt. Werde ich also eines Tages aufwachen und wissen: Jetzt ist es vorbei? Ist die Frage nach einem möglichen Ende schon der Beginn des Abschiedsprozesses? Oder läutet sie nur eine neue Ära im Selbstverständnis, in der eigenen Verortung zur Arbeit ein, ist sie ein Zeichen des natürlichen steten Wandels dessen, wie wir zu uns und zu all unseren Interessen stehen? Die Zeit wird es zeigen. Ich werde nie für oder wider „entscheiden“, sondern immer genau das tun, was mir stimmig erscheint. Genauso hab ich ja auch angefangen: auch da gab es keine Entscheidung, kein Bekenntnis, kein „ab jetzt bin ich Escort“. Das kam ganz von selbst, und plötzlich war mir klar: „Ah, dann bin ich ja jetzt Escort!“ 😁 Vielleicht schaue ich also irgendwann zurück und mir wird plötzlich bewusst, dass ich eigentlich nicht mehr Escort bin.

Sei es wie es sei, wichtig ist das Hier und Jetzt, und hier und jetzt freu ich mich auf all die Berührungen, die ich noch erleben, geben und nehmen werde. Auf emotionaler Ebene genauso wie auf körperlicher und spiritueller. Ich freu mich auf alles, was eine der besten Wendungen meines Lebens mir noch zuteil werden lässt.

Frei + unabhängig = Independent Escort.

2 Kommentare
  1. Jo
    Jo sagte:

    Ausgesprochen gut und aufrichtig formuliert, sämtliche Aspekte von Vorfreude , Frivolität , Spiritualität , Dreistigkeit und auch das Ausklingen lassen des Dates sind treffend beleuchtet. Das Wichtigste was gesagt wurde ist immer in seiner Mitte zu bleiben und den Augenblick bewusst zu erleben.
    Ein Aspekt noch : Welchen Konventionen und Regeln der Gesellschft sind wir ausgesetzt um solche Ventile zu benötigen oder bedingt das Eine gar das Andere ?
    Jo

  2. Thorja von Thardor
    Thorja von Thardor sagte:

    Nun ja, wer ein „Ventil“ sucht, wird in Escortbegegnungen nicht glücklich werden und sollte wohl eher den Reifenhändler seines Vertrauens zu Rate ziehen. Dieser reduziert die Aufgeblasenheit dann auch gleich fachkundig auf eine realistische Schlauchdimension. Konfrontiert man dagegen Frauen mit Inhaltslosigkeit über 3 Bar, entlädt sich der Schuss meist sehr schnell nach hinten. 🥴

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