Der aktuelle Artikel im Standard zur Situation der Sexarbeit in Österreich ist nicht so schlecht, enthält aber begriffliche Unschärfen, vor allem was Wohnungen betrifft.

In AT ist es verboten, dass SW in VON IHNEN bereitgestellten Wohnungen arbeiten, bei sich zuhause also Kunden empfangen. Das gilt bundesweit als verbotene “Wohnungsprostitution”.

Ob dieses Verbot sinnvoll ist, sei dahingestellt. In D und UK ist das dagegen erlaubt und wird in Abgrenzung zu Bordellen vielfach als die selbstbestimmtere Form der Sexarbeit gesehen.

Was in AT aber NICHT überall verboten ist, ist der Haus- oder Hotelbesuch durch die Dienstleisterin beim Kunden. Diese juristisch leider sehr bedeutsame Unterscheidung, wer nun wen in wessen Wohnung oder Hotelzimmer besucht, kommt im Artikel nicht zum Ausdruck. JournalistInnen sind damit regelmäßig überfordert. Einige Bundesländer erlauben den Besuch im Raum des Kunden, so auch Wien und NÖ. Das ist im Übrigen ja auch meine Form der Tätigkeit.

Für mich bedeutet es die größte Freiheit, unterwegs zu sein, als Gast meiner Kunden empfangen zu werden und wieder weiterzufahren. Ich würde mich dagegen niemals in ein Bordell setzen. Die horrenden Wochenmieten und Vorschriften durch die Betreiber empfände ich als unmöglich und einengend. Jede Anbieterin hat ihre eigenen Vorstellungen von optimalen Arbeitsbedingungen.

Die eine fühlt sich besser, sicherer im Bordell und würde niemals in Wohnungen oder Hotels gehen, um Kunden zu treffen, die andere empfindet genau das als Ausdruck individueller Autonomie und Selbstbestimmung. Zu letzteren zähle auch ich mich.

Man sollte die verschiedenen Formen von Sexarbeit nie gegeneinander ausspielen. Natürlich betone ich in meiner gesamten Werbestrategie immer die Unabhängigkeit und Freiheit des Escortseins, das bedeutet jedoch nicht, dass ich stationären Sexarbeitenden ihre Unabhängigkeit und Freiheit abspreche. Ganz im Gegenteil weiß ich über die Beweggründe, sich für niedergelassene Arbeit zu entscheiden, aus Gesprächen mit KollegInnen sehr gut Bescheid – es sind nur nicht meine Beweggründe.

Traurig bin ich jedoch manchmal, wenn KollegInnen Escort als potentiell gefährlich und das Bordell als einzigen sicheren Ort darstellen. Das empfinde ich als unsolidarisch und gefährlich für uns alle, da dies von unseren gemeinsamen GegnerInnen als weiteres Argument für weitere Verschärfungen gegen unsere Wahlmöglichkeiten aufgegriffen wird.

Die Anbieterinnen sollten sich das selbst aussuchen können und nicht von rechtlichen Vorschriften, die sie “schützen” sollen, letztendlich wieder entrechtet, eingeschränkt und bevormundet werden. Denn gestraft werden dann ja die Anbieterinnen, die man ja eigentlich “schützen” will.

Schutz funktioniert jedoch nur durch Ausbau von Rechten, nicht durch immer mehr Einschränkungen, Pflichten, Verbote! Insofern gehört Sexarbeit massiv entreguliert! Das Kontrollphantasma funktioniert nicht und führt nur zu noch mehr Ausbeutung der Anbieterinnen.

Und für mich, ganz individuell, heißt es wie immer:

Frei + unabhängig = Independent Escort

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