…oder genauer: „Das Geheimnis von Marrowbone“

Tja, DAS war mal wieder ein richtig, richtig guter Film. Einer von jener Sorte, die einem zwischendurch immer wieder mal einfallen – beim Geschirrspülereinräumen, beim Einkaufen, beim Zähneputzen. Die so richtig Eindruck hinterlassen und im Alltag nachwirken.

Ohne allzu viel zu spoilern: Eine Familie (Mutter mit 4 Kids) zieht von UK nach US. Sie sind auf der Flucht. Wovor, erfährt man erst später: Sie sind vor dem Vater geflohen und ziehen jetzt in ein großes Haus, in dem die Mutter einst aufgewachsen war. Sie leben dort sehr zurückgezogen. Man weiß weder, warum sie sich für eine solche Zurückgezogenheit entschieden haben, noch, warum sie eigentlich vor dem Vater geflohen sind. Während man sich darüber den Kopf zerbricht und sich bemüht, spärlich gesäte Hinweise hierzu in eine Kausalität zu bringen, muss man mit Schaudern mitansehen, dass an der Decke immer wieder ein feuchter Fleck entsteht, der regelmäßig übermalt wird. Allein das ist schon mal sehr irritierend. Das Kopfkino sucht verzweifelt aber vergebens nach Gründen für diesen Fleck. Irgendwie scheinen sie auch Angst vor Spiegeln zu haben. Alle Spiegel wurden entweder entfernt oder verhängt. Auch hier weiß man vorerst nicht, warum. Dem kleinen Bruder haben sie eingeredet, dass ein Dämon im Spiegel lebt. Ist da vielleicht doch etwas dran? Auf dem Dachboden ist irgendwas. Und zwar nicht nur ein Waschbär, den der kleine Bruder wie ein Haustür füttert…

Der nervenzerreißende Spannungsbogen kommt irgendwann an jenen erlösenden Punkt, wo man endlich versteht! Woher der Fleck kommt. Warum sie vor dem Vater geflohen sind. Woher die schrecklichen Geräusche auf dem Dachboden kommen. Warum sie gar keine andere Wahl haben, als in Zurückgezogenheit zu leben. Jemand, etwas ist die ganze Zeit über anwesend gewesen…

Rückblickend meint man nun, für alle Fragen eine Erklärung zu haben! Es fällt einem plötzlich wie Schuppen von den Augen! Man kann es nicht erwarten, wie sich nun der Hauptstrang der Handlung zuspitzt! Doch… dann… dreht sich die Deutung des gesamten Geschehens noch einmal um 180 Grad. Plötzlich muss man sich eingestehen, dass man auf einer völlig falschen Fährte war. Dass alles, was man bisher gesehen hat, unter einem völlig anderen Licht zu sehen ist. Aber sowas von anders. Nichts von alledem, was man sah, war so, wie es schien! Und das ist dann nicht nur thrilling, mindblowing, sondern vor allem eins: traurig. Besonders, wenn man selbst Familie hat, ist man von der finalen Wende der Handlung tief betroffen. Sehr tragisch. Sehr spannend. Unglaublich gut.

Uneingeschränkte Empfehlung meinerseits! Ganz großes Kino!

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